Wir verlieren an Boden
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Wir verlieren an Boden

Die Tendenz des heutigen Menschen, sich von seinem Ursprung, der Erde, zu isolieren, ist deutlich erkennbar; und es ist nicht schwer, Symptome für diesen Anti-Naturalismus zu finden. Heutzutage flüchtet nämlich jeder auf den einen oder anderen Weg, meistens mit der Unterstützung technologischer Unterhaltung, in eine eigene Realität. Die Technologie hat sich zu etwas entwickelt, das sich der globalen ökonomischen Struktur anpasst und sich auf die neuen Bedürfnisse des Individuums stützt, den die Welt außerhalb seiner eigenen Realitätswahrnehmung nicht interessiert. Es interessiert ihn nicht, wie sie aussieht, was mit ihr passiert und letztendlich auch nicht, was mit ihm selbst passiert. Die Technologie selber kann an dieser Entwicklung kaum schuld sein; der Mensch ist dazu bestimmt, seine Kenntnisse zu nutzen - die Technologie ist unsere 'Spezialität' - aber er muss sich entscheiden, ob er sie nützlich einsetzen will, oder auf die gegenwärtige, destruktive Weise, die keine positive Auswirkungen für die Zukunft haben wird.

Das Problem ist der moderne Irrglaube, dass unsere Spezies und der Planet, der sie hervorgebracht hat, nicht unbedingt voneinander abhängig sind. Dass wir unsere Erde brauchen, ist offensichtlich; sie brachte uns hervor und gab uns einen Platz in einem Ökosystem mit Milliarden von anderen Lebewesen - nur sie kann uns ernähren, uns unterstützen, unsere Spezies am Leben halten und ihre Entwicklung fördern. Den Ast, auf den man sitzt, abzusägen, ist bloß für dumme und selbstmörderische Menschen eine Möglichkeit und kann keineswegs eine gesunde, kollektive Handlungsweise sein.

Unsere Situation ist, dass wir uns als Spezies über die direkte Kontrolle der Evolution hinaus entwickelt und nun die Fähigkeit und Verantwortung haben, auf die oder jene Weise auf unsere Umwelt einzuwirken. Sobald eine Spezies einen gewissen Intelligenzgrad erreicht hat, scheint das zu passieren, und hat zur Konsequenz, dass die Erde in gewisser Wiese auch von uns abhängig ist. Die Menschheit ist der bisherige Höhepunkt des Potentials unseres Planeten, aber nicht aus dem Grund, den uns die christliche Doktrin weismachen will; wir sollten Mensch und Natur nicht trennen und letztere wegen ihrer Wildheit dämonisieren, sondern sie und uns selbst - durch ein System, das die Kenntnis der Struktur der Natur und das Potential des Menschen verbindet - zu einer höheren existenziellen Ebene innerhalb der universellen Hierarchie der Evolution führen. Unsere Spezies kann entweder zu neuen, unbekannten Höhen aufsteigen, oder völlig versagen.

Wenn sie versagt, wird alles wieder von vorne beginnen (falls der Planet bis dahin nicht komplett zusammengestürzt ist) und eine neue intelligente Spezies wird sich den Aufgaben stellen, die wir nicht bewältigen konnten. Soll unsere Spezies in der Zukunft wirklich dafür bekannt sein, dass sie bloß versagt hat, weil ein individualistisches Lebensstil für gemütlicher gehalten wurde? Wollen wir wirklich als Wesen in die Geschichte gehen, die sich nach Millionen von Jahren der Evolution und nach großen kulturellen Leistungen am Ende aber lieber auf die Couch gesetzt und ferngesehen haben, während ihre plastische Lebensweise alles zerstört und sie getötet hat? Für Menschen, die nicht völlig verloren sind, ist ein solches Versagen ausgeschlossen und individuelle Bedürfnisse über höhere Ziele zu stellen indiskutabel. Und doch soll dies keine moralistische Standpauke sein, bei der sich der eine für überlegen halten kann und der andere für immer die Last der Schuldigkeit und der Sünde tragen muss. Wenn es so wäre, würden wir den gleichen Fehler ein zweites Mal begehen. Wir müssen verstehen, dass wir uns auf einem Scheideweg der Geschichte befinden, auf der die Menschheit entweder ihrem Unglück, ihrem Stolz oder ihrer Feigheit zum Opfer fällt, oder von ihren Fehlern lernt. Wir könnten lernen, dass wir die Erde sind und wir sterben werden, wenn wir uns von ihr verfremden. Wir könnten lernen, dass alle Lebewesen auf diesem Planeten unsere jubelnden Anhänger sind und dass wirnicht isolierte Wesen sind, die mit ihrer Apathie durchkommen werden, ohne am Ende unterzugehen.

November 14, 2006

Our gratitude to "1191.4814.5102" for this translation.


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