<html> <head> <meta name="description" content=""> <meta name="keywords" content=""> <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=iso-8859-1"> <title>Eine Gesellschaft der Kasten</title> <link rel="stylesheet" href="/zine/local/anus_home.css"> <body bgcolor="black" text="white" link="firebrick" vlink="firebrick" alink="red"> <center> <table width="96%" border="0" cellspacing="0" cellpadding="0"> <tr> <td colspan="2"> </td> </tr> <tr> <td valign="top" style="width: 25%;background-color: #efe; color: black; border-right:1px solid gray; padding: 8px;"> <font size="+2"> <b><a href="/" title="ANUS home">Home</a></b> </font> </td> <td valign="top" style="width: 75%; background-color: white; color: black; padding: 8px; line-height:1.4;"> <!-- START ABUSE --> <b>Eine Gesellschaft der Kasten</b> <p> Als Kind war ich entsetzt ber Ungleichheit. Einige Kinder trugen nie neue Pullover, lebten in kleinen, verdreckten Wohnungen und hatten Abendessen vor dem Fernseher. Sie htten nicht gewusst, wie man sich in einem anstndigen Restaurant verhlt und ihre Sprache war ungeschickt; sie stolperten ber ungewhnliche Wrter. An unserem ersten Schultag legte unser Lehrer das ganze von uns mitgebrachte Schulmaterial, welches uns vorher auf einer Liste genannt wurde, in einen gemeinschaftlichen Korb, und keiner sah je die Dinge wieder, die seine Eltern fr ihn gekauft hatten. Arme Kinder sollten sich auf diese Weise weniger arm fhlen. <p> Natrlich war das furchtbar fr alle, die mit ihren Eltern sorgfltig eingekauft und eine zumindest halbwegs gute Auswahl getroffen hatten, wie Bleistifte, die nicht in scharfe Stcke zersplittern oder liniertes Papier, dessen Linien nicht verschwommen gedruckt sind. Sogar Wasserfarben reichten  gem der  Freiheit des Kapitalismus  von solchen, die nur dreckiges Wasser einer bestimmten Farbe hervorrufen konnten, bis zu tatschlich brauchbaren. Whrenddessen schleppten sich die betrunkenen und verarmten Eltern in den Discount-Laden und kauften  Geld sparend jeden minderqualitativen Unsinn, den sie bekommen konnten und schickten ihre Kinder damit zur Schule. <p> All diese Dinge kamen in den Korb, und jeder erhielt, was immer der Zufall bescherte  das ist  Fairness . Dieser Einfall entstammt der groartigen Tradition, Menschen glcklicher zu machen, indem man ihren ungleichen Stand in die Aufmerksamkeit zerrt. Lasst geistig Behinderte auf eine Bhne trotten und mit einer Jazz-Band auftreten, damit das genervte Publikum vortuschen kann, sie machten nicht nur unkoordinierten Lrm. Warum nicht das hssliche dicke Mdchen zur Ballknigin ernennen? Wir machen die Verarmten glcklicher, indem wir jeden in der Klasse zwingen, sich der Gleichheit zu unterwerfen, so dass Ablehnung sich ausweitet. <p> Es war immer beunruhigend fr mich  als ob ein Urteil ber uns gefllt worden wre, welches einige normal und einige arm und wenige reich hat werden lassen. In meiner Universittszeit und den glcklichen Tagen unmittelbar darauf, glaubte ich, der einzige Weg, die Ungleichheit zwischen Reich und Arm zu beenden, wre es, alles in einen Korb zu werfen, so dass beide Gruppen gleiche Bedingungen erhalten. Schlielich traf ich einen Mann, der in einer Wohnwagen-Siedlung aufgewachsen war, und der erklrte:  Die Mehrheit derer, die in den Wohnwagen lebten, gehrte auch dort hin. <p> Er erklrte mir die verschiedenen Wege zur Armut: Nicht mit Geld umgehen knnen und unfhig zu vorausschauender Planung sein. Dumm sein. Drogen- oder Alkoholabhngigkeit. Oder kriminell sein und zu destruktiven, auch selbstzerstrerischen Taten neigen. Er sagte, es gab auch solche, die in die Armut hineingeboren wurden und in ihr blieben, da sie einfach nicht die Energie aufbringen konnten, langfristig eine Verbesserung zu erreichen, z.B. den Wohnwagen aufgeben oder zur Schule gehen oder auf andere Art als auf Raten kaufen knnen. Katastrophen kamen fr sie berraschend, doch schlechtes Geschick war bereits erwartet und hatte nur geringe psychische Folgen. <p> Ich wusste nicht, wie ich das Gelernte einordnen sollte  sowohl das von ihm Gehrte als auch eigene Erfahrung mit den Armen. Sie waren nicht bereit fr ein anderes Leben. Gab man ihnen Geld, gaben sie es geradewegs fr die Lotterie oder Alkohol aus. Sagte man ihnen, man wolle helfen, lachten sie entweder oder sahen zu, was sie aus der Sache herausholen konnten. Es war hoffnungslos. Ich konnte keine Mglichkeit erkennen, wie diese Leute in einer Gesellschaft leben knnten, welche von ihnen die gleichen Dinge erwartet wie von einem Brsenmakler oder einem Arzt. Und hier lag mein Fehler: Ich dachte, alle Menschen sollten in die gleiche Form passen und gleiche Gegebenheiten haben. <p> Innerhalb der darauffolgenden Jahre begegnete ich dieser lcherlichen Vorstellung auf vielerlei Art. In einem meiner Jobs wurde es tabuisiert, dass unsere Kollegin Debbie, um es nett auszudrcken, verdammt dumm war. Unglcklicherweise konnten wir sie nicht feuern und mussten uns damit begngen, ihr unwichtige Arbeiten zu geben, die ein anderer berprfte. Das Ergebnis war, dass, als das Unternehmen in Schwierigkeiten war und einen Managementberater einstellte, dieser solche Mitarbeiter befrderte, die makellose Unterlagen aufwiesen. Da Debbie nie wichtige Projekte leitete, wiesen ihre Unterlagen keinen Misserfolg aus, und der Berater, auf die Zahlen schauend, machte sie zum Abteilungsleiter. Natrlich war es ihre erste Manahme, alle zu entlassen, die sie als klger erkannte. Gelegentlich fahre ich an dem leeren Gebude vorbei und lache. <p> Es war in einer ruhigen Nacht hier im Bunker, als ich die Bhagavad-Gita las und erfreut war ber ihre Reichhaltigkeit und ihre vielen Metaphern. Wie die ihr hnlichen Schriften, so die Iliade, die neis und das Nibelungenlied, benutzt dieses indo-europische Epos eine Verschlsselung, in welcher uere Ereignisse sowie das durch sie hervorgerufene Handeln der Helden beschrieben werden, wobei dieses uere als Darstellung der menschlichen Psyche dient und auf einen aufwrtsstrebenden und kmpferischen Weg verweist. Das ist keine  Literatur fr College-Studenten, Drogenabhngige, Vorstadtmuttis oder fettige Hippies; es ist Bildung fr jene, die im Durcheinander der Welt stehen. <p> Ein Aspekt der Gita ist ihr weiser Rat zur Staatskunst, so etwas wie Machiavelli oder Dante, in dem eines der Themen das der Kasten ist. Nennt mich konditioniert, doch sobald ich diesen Teil las, kehrte das alte beunruhigende Gefhl zurck. Sind wir ehrlich und nennen es Schuld? Ich dachte wieder an die armen Kinder mit ihren Schulutensilien aus dem Billigangebot. Bilder verblasster Farben, schmieriger Radiergummis, schlecht linierten Papiers und auslaufender Stifte kehrten zurck mit dem Geruch der Klassenrume: vermischte Parfms, Essensdfte, Schwei und Blhungen und das seltsame Sgemehl mit dem sie Erbrochenes aufsaugten. <p> Es ist wichtig zu verstehen, dass ein Kastensystem sich grundlegend von einem Klassensystem unterscheidet. In einem Klassensystem werden wir danach bewertet, wieviel Geld wir verdient und angelegt haben und an unsere Nachkommen weitergeben. Bist du in einer Hotelkche beschftigt, arbeitest dich in eine leitende Position hinauf und besitzt schlielich das Hotel, kannst du eine Hotelkette erwerben und unter den sehr Wohlhabenden leben. Du hast dich dann von der Unterklasse zur Oberklasse bewegt durch die feste Ausrichtung auf Reichtum. Dies bedeutet, dass die Oberklasse aus Menschen besteht, die sich mehr als andere dem Erwerb von Geld verschrieben haben. <p> Ein Kastensystem beruht auf Spezialisierung. So wie eine Rasse durch spezifische Eigenschaften entsteht, welche bestimmte Entscheidungen reflektieren, die als Gruppe getroffen wurden  wie z.B. das Benutzen von Technologie zur Spezialisierung auf ein agrarisches oder ein technologisches Dasein  reflektieren Veranlagung und Eignung einer Kaste deren vergangenes Handeln. Manche sind besser dazu geeignet, Bauer, Klempner oder Anwalt zu sein und in dieser Ttigkeit somit auch gesnder als es andere wren  egal ob wir dies auf ein Kastensystem anwenden, es ist etwas generell Wahres. <p> Ein bedauerliches Merkmal von Klassensystemen ist es, dass sie zwischen den Klassen Spott frdern, gewhnlich auf einer darwinistischen Basis und durch die Illusion, ein Anwalt sei biologisch  erfolgreicher als ein Klempner. Diese widerliche Vereinfachung beruht auf der Anwendung einer einzelnen Karriere auf alle Menschen, es gibt dann eine Oberschicht (hchstbezahlt) und einen Bodensatz (ungelernte Arbeit). Auf diese Weise knnen jene, die viel Geld einnehmen, ihr geringes Selbstbewusstsein salben und sagen:  Wir alle hatten das gleiche Ziel und die gleichen Mglichkeiten, also stimmt mit euch etwas nicht . <p> Ebenso wie in einer Demokratie ein obdachloser Alkoholiker die gleiche Mglichkeit der Wahl hat wie ein Held, besteht in einem Klassensystem der obere Rand der Gesellschaft aus Menschen, die jede Mglichkeit nutzten, an Geld zu kommen. Intelligente, hart arbeitende Menschen, die ein anstndiges Unternehmen erfolgreich aufgebaut haben, werden gemessen an Pornoproduzenten, Drogendealern, internationalen Waffenhndlern und Leuten mit  genialen Ideen wie Fast Food, Wegwerffeuerzeugen oder Sitcoms. Man kann sich hier gut eine Tochter vorstellen, die den Eltern ihren Verlobten vorstellt und sagt:  Ich weiss, er ist gedrungen, hsslich, dumm und gemein, aber er hat eine Milliarde mit Anal-Pornos verdient. <p> Ein Kastensystem hingegen unterteilt uns nach Pflichten und verleiht niemandem einen bevorzugten und gottgleichen Status. Wenn deine Kaste sich unter den Fhrern befindet, hat dies keinen greren Wert als Klempner zu sein  es war nicht nur nicht deine Wahl, sondern es ist das Produkt deiner Ahnen, dass du ein Fhrer bist (und ein Test deiner eigenen Fhigkeit, da keine gesunde Gesellschaft Menschen akzeptiert, die nur Schein sind). Diese Ttigkeit ist nicht wichtiger als die eines Handwerkers, lediglich spezialisierter. <p> Man kann sich dies durch die bertragung auf eine Rock-Band verdeutlichen. Wenn ein bestimmtes Ma musikalischer Fhigkeit vorhanden ist, drfte es sehr unwahrscheinlich sein, dass Schlagzeuger und Gitarrist die Rolle tauschen knnten, beide sind wesentlich in ihrer Position fr das Funktionieren der Band. Selbst wenn der Gitarrist wahrscheinlich den Bassisten ersetzen knnte, wird er es mglichst nicht tun, denn sein Denken ist an eine andere Rolle gewhnt und er wrde somit dazu neigen, die Feinheiten des Bassspiels nicht zu beherrschen. Ebenso knnte jeder singen, doch nur einer ist darauf spezialisiert. Alle sind notwendig, andernfalls existiert die Band nicht. <p> Im Mittelalter und frheren Zeiten, brachte das Kastensystem solchen Menschen Nutzen, die heute in die allgemeine Gruppe der Arbeiter eingeordnet werden. Nutzen vor allem durch fehlende Verdienst-Konkurrenz und gesicherte Arbeit. So konnten sie sich ganz auf die Details jeder Aufgabe konzentrieren  Feinheiten, die von einem System, das auf Konkurrenz beruht, nicht gefrdert werden. Fhrer mussten nicht heucheln, um gewhlt zu werden, Handwerker mussten nicht auf die billigste Weise arbeiten, um ihre Preise  konkurrenzfhig zu halten. Jeder hatte einen Platz, und wenngleich es auch Konkurrenz gab, so lag diese in der Aufgabe selbst und nicht in der verschiedenen, aber damit verbundenen Aufgabe des Geldverdienens durch diese Fhigkeit. <p> Die Regierung wrde lokalisiert, da in jeder lokalen Bevlkerung Fhrertypen wie Menschen jeder anderen Art vorzufinden sind. Jede Kaste htte ihre eigene Zone und die Garantie auf Arbeit. Die Kompetenteren steigen an die Spitze ihrer Art und wrden hnlich betrachtet werden wie Anwlte, rzte, Fhrer. Die Feindschaft unter den Menschen, ausgelst durch verschieden hohes Einkommen, wre enorm vermindert, da sie nicht lnger um den Hchstbesitz einer einzelnen Sache konkurrieren wrden. Stattdessen wrden sie arbeiten, um in dem Bereich die Besten zu werden, den sie optimal beherrschen. <p> Am wichtigsten jedoch ist, dass zwischen die Gruppen Liebe zurckkehren wrde, whrend sie heute verbittert und rachschtig sind. Fhrer wren nicht wichtiger als Klempner, sondern nur verschieden spezialisiert. Ihre Aufgabe als jene, die letztlich fr den Weg der Nation verantwortlich sind, wre kein  Job , sondern mehr ein Bestandteil ihrer Familie. Somit wren sie fhig, unmittelbar fr ihr lokales Gebiet und dessen Menschen zu handeln. In einem solchen System knnen wir unsere Rollen annehmen und alle wichtig sein, ohne uns danach zu bewerten, wie gut man Geld durch Betrug oder Hype oder direkten Diebstahl  zu machen versteht. <p> Spricht man dieses Thema in einer modernen, liberalen Demokratie an, beginnen die Menschen natrlich von einem Verlust der  Freiheit zu reden. Fragt man, was Freiheit bedeutet, hrt man maximal eine vertrumte und liebgewonnene Illusion, in der jeder von uns Prsident, Sportstar, Superheld oder Mittelpunkt werden kann.  Nimm uns nicht die Freiheit , rufen sie im Einklang. Es ist offensichtlich, dass etwas mit derart dummer Verzweiflung Behaftetes nicht die Wohltat ist, die es vorgibt zu sein, denn sonst htten diese Menschen die groen Vorzge der  Freiheit verwirklicht. Stattdessen haben sie Entschuldigungen:  Ich wurde unter einem schlechten Stern geboren ,  Mein Vater war Alkoholiker , und hnliches. Rechtfertigungen, weil man nicht  frei ist. <p> Ein Klassensystem gewhrt dir diese  Freiheit , indem es dich und alle anderen in die Gleichheitskategorie der Arbeiter zwingt, in der du mit ihnen um Geld konkurrierst. Bist du nicht von Geld fasziniert, hast keine reichen Verwandten und keine  brilliante Idee wie gemischtrassige Liliputpornographie, wirst du fr Kleingeld arbeiten, und obwohl es niemand offen sagt, wird jeder mit hherem Einkommen, einen Zuwachs an nach auen getragenem Selbstbewusstsein erfahren, denn er ist reicher. Dies macht klar, warum, ist Geld als Droge des falschen Selbstbewusstseins nicht mehr vorhanden, viele vormals erfolgreiche Menschen Selbstmord begehen. <p> Uns in Verdienst-Kategorien einzuteilen und zu glauben, dies sei darwin- als auch jesusgem eine Selektion der  Besten unter uns, ist Unsinn. Dies erschafft den Hass zwischen uns. Man selektiert nicht danach, wer die beste Arbeit macht, sondern danach, wer die meisten Menschen in den Kauf seines Produktes zu tricksen versteht, solange bis das Geld reicht, um es aus dem Kreislauf zu nehmen und sich damit zur Ruhe zu setzen. Und wer kann es den Menschen vorwerfen, sich tuschen zu lassen? Sie haben keinen ihnen durch die Tradition zugewiesenen Platz in der Gesellschaft und sind somit jedem zweiten Trottel ausgeliefert, der sie ber den Tisch ziehen will, um seine Schfchen ins Trockene zu bringen. <p> Auf diese Weise nderte sich meine Haltung zum Kastensystem von Ablehnung zu Befrwortung. Hinsichtlich Reichtum werden wir niemals alle gleich sein, und einige Kinder werden die Wasserfarben fr sieben Dollar bekommen, whrend andere die stinkenden fr drei Dollar benutzen. Zu versuchen, die Ungleichheit durch Verdurchschnittlichung aufzuheben, heit, uns alle unter einem System leiden lassen, welches fr eine Person geschaffen wurde, die nicht existiert; eine fiktive, abstrakte,  normale Person, und dass wir als Resultat dessen uns gegenseitig an die Kehlen gehen, wegen kleinen Stcken Papier und Metallchips und Zahlen auf unseren Bankkonten. Das ist so dumm, Debbie wrde es mgen. <p> <font size="1"> December 19, 2004 </font> <p> Our gratitude to "<a href="http://bbs.anus.com/ultimatebb.cgi?ubb=get_profile&u=00004199" target="_blank">718</a>" for this translation. <p> <center> <hr width="33%"> </center> <p> </td> </tr> <tr> <td colspan="2"> <font size="1"> Copyright &copy; 1988-2005 <a href="/mock" title="mock Him productions">mock Him productions</a> </font> </td> </tr> </table> </body> </html>