Ein sokratischer Dialog
Ein sokratischer Dialog
Von Vijay Prozak, übersetzt von Wigr, 14. Dec. 2006
(Basierend auf einer Diskussion mit einem hochintelligenten Freund meinerseits, der wie die Meisten durch liberale Ideen indoktriniert war und keine Zeit hatte, über sie nachzudenken. Sokrates steht an zwei anderer und meiner statt, der idealisierte Bret dient als Platz für meinen Freund und vier andere Personen)
Bret: Grüß dich, Sokrates. Man hat mir gesagt, dass du glaubst, die Demokratie sei schlecht und die Aristokratie sei gut.
Sokrates: Also glaubst du, die Demokratie sei das höchste Gut - Kannst du erklären, wieso?
Bret: Das Individuum ist das höchste Gut, und die Demokratie erlaubt es dem Individuum, sich selber zu verwirklichen und Macht gegen Gesellschaften zu haben, die ihm schaden können.
Sokrates: Das klingt zunächst einmal gut. Aber sag mir - wenn ein Individuum einen Virus entwickeln würde, welcher die Menschheit eliminieren würde, würdest du es dann aufhalten?
Bret: Gewiss. Es würde die Rechte des Individuums einschränken und müsste deswegen gestoppt werden.
Sokrates: Sogar wenn er selber das Recht auf Freiheit hat, das Recht, sich selber auszudrücken und zu verwirklichen?
Bret: Sein Ausdruck der Persönlichkeit würde andere davon abhalten, ihre Freiheit zu genießen, und so würden wir es ihm zum Wohle der Gemeinschaft verweigern.
Sokrates: Also wenn das Individuum etwas tut, was für die Gesamtheit schädlich ist, müsste es davon abgehalten werden?
Bret: Offensichtlich, falls es die Freiheit der Allgemeinheit einschränken würde.
Sokrates: Was wäre, wenn das Individuum seine Freiheit dazu benutzen würde, einen politischen Staat zu erschaffen, der die Freiheit der Gesamtheit einschränkt?
Bret: Er müsste eingeschränkt werden.
Sokrates: Also wenn ein Individuum seine Freiheit dazu benutzen würde, die Freiheit der Allgemeinheit einzuschränken, würde er selber beschränkt werden. Was ist, wenn mehr als ein Individuum so verfährt?
Bret: Man müsste sie genauso einschränken.
Sokrates: Was ist, wenn diese Individuuen nicht wüssten, dass ihre Stimme die Freiheit der Allgemeinheit einschränken würde?
Bret: Sie müssten immernoch eingeschränkt werden.
Sokrates: Was ist, wenn diese Individuen eine Mehrheit darstellen?
Bret: Wenn die Demokratie weiterbestehen soll, müssen sie eingeschränkt werden.
Sokrates: Aber dann muss es doch jemanden geben, der sie einschränkt?
Bret: Ja, ein weiser Führer.
Sokrates: Aber wie unterscheidet sich der von einem König?
Bret: Nun, die Leute haben ihre Freiheit.
Sokrates: Aber nur das zu wählen, was bereits gewählt ist, nämlich Demokratie?
Bret: Alles andere schränkt die Freiheit der Übrigen ein.
Sokrates: Und um sie von ihrem Schicksal zu bewahren brauchen sie - einen König?
Bret: Nein, ein gewählten Führer.
Sokrates: Aber wenn sie nicht wissen, wann ihre Entscheidungen die Freiheit der Allgemeinheit einschränken, wie können sie dann die richtigen Kandidaten wählen?
Bret: Falls sie es nicht tun, werden sie ihre Freiheit verlieren.
Sokrates: Aber mit einem König hätten sie immer ihre Freiheit?
Bret: Abgesehen davon, ihn selber zu bestimmen.
Sokrates: Aber wir haben doch bereits festgestellt, dass sie nicht wissen können, ob ihr gewählter Führer die Freiheit der Allgemeinheit einschränken würde, oder etwa nicht, und dass, falls sie die falsche Wahl treffen würden, sie eingeschränkt werden müssten. Also, haben sie wirklich die Freiheit, einen Führer zu wählen?
Bret: Nunja, es ist eine Freiheit, die ihre Grenzen hat.
Sokrates: Es scheint mir, als würde der König damit die gleiche begrenzte Freiheit anbieten, nur verhindert er die Möglichkeit, dass das Volk Wahlen trifft, welche sie nicht verstehen. Einmal angenommen, dass Volk wählt heute etwas, das die Freiheit der Allgemeinheit in, sagen wir, 500 Jahren einschränken würde, und wenn es erstmal gewählt wurde, könnte dann niemand den Kurs mehr ändern?
Bret: Natürlich würde das geändert werden. Durch Erziehung oder sowas in der Art.
Sokrates: Was ist, wenn die Erziehung nicht funktioniert - was ist, wenn das Thema so komplex wäre, dass eine durchschnittliche Person es nicht verstehen könnte?
Bret: Dann würde ihre Wahl eingeschränkt werden.
Sokrates: Also wenn jemand für irgendwas wählt, was in der fernen Zukunft zwangsläufig die Freiheit der Allgemeinheit einschränkt, würde seine Stimme eingeschränkt werden?
Bret: Ja.
Sokrates: Also muss Demokratie, um sich selber vor schlechten Wahlen zu schützen, die Freiheit der Allgemeinheit einschränken.
Bret: Natürlich.
Sokrates: Und Wahlen, welche die Freiheit der Allgemeinheit einschränken, müssten begrenzt werden?
Bret: Ja.
Sokrates: Bedeutet das ... die Wahl der Demokratie selber?
(Demokratie ist ein Paradoxon: Leute wählen Dinge, die sie nicht verstehen, um paradoxe Ziele wie die Freiheit zur Unfreiheit zu erreichen. Es funktioniert nicht, außer zur Beruhigung der Massen, welche glauben, sie wären "frei", die Maschinerie hinter den Szenen des Kommerzes ignorierend.

