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10. Januar 2008

Liers in Wait: Spiritually Uncontrolled Art

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Liers in Wait: Spiritually Uncontrolled Art

Von 1191.4814.5102, 14. Oct. 2006
Liers In Wait – Spiritually Uncontrolled Art (Dolores Records, 1992)

In der produktivsten Phase der musikalischen Entwicklung des Death Metals, die frühen Neunziger des letzten Jahrhunderts, haben sich progressive Tendenzen vorwiegend in den Vereinigten Staaten bemerkbar gemacht. Umso erstaunlicher ist es, dass dieses einzigartige Werk im alten Europa entstanden ist, in dem man sich entweder noch nicht gänzlich vom alten Stil lösen konnte, oder auf melodischen Pfaden gegangen ist. Anders jedoch als die aus diesem schöpferischen Drang resultierende destruktive Rhythmik ihrer amerikanischen Zeitgenossen haben Liers In Wait versucht, eine Form zu kreieren, in der nihilistisches Chaos das einzige Prinzip ist.



Damit sie bei diesem Versuch nicht in andere musikalische Gefilde rutschen, haben sich Liers In Wait auf zwei definierende Aspekte konzentriert, um diesen mutigen Plan mit der üblichen Instrumentation zu verwirklichen. Eines ist die fast stochastische Aneinanderreihungen von Noten, die den Hauptanteil ihrer Riffs ausmachen und meist durch ein flüssiges Tremolo-Strumming zusammengehalten werden. Dass diese Vermischung von alter Technik und neuer Gestaltung so konzeptgetreu, aber dennoch mit klarer Linie umgesetzt werden kann, ist ihrer subtilen strukturellen Verflechtung zu verdanken. Der konzeptuell vereinigende Kern dieser Veröffentlichung liegt nämlich nicht im stilistisch Offensichtlichen, sondern in dessen Aufbau - im erfolgreichen Versuch, verschiedene strukturelle Ansätze miteinander zu kombinieren. Die ursprünglichste Form gibt die Richtung an: Die sequenzinterne Aufteilung und mehrfache Gegenüberstellung von Motiven mit ein-, oder überleitender und abschließender Wirkung. Für ihre Entwicklung sorgt eine Innovation: Die Aufspaltung der Gitarrenstimmen – die daraus resultierende fortlaufende Schwankung von Einklang, Abstoßung und Autonomie erzeugt einen höchst organischen Energiefluss. Die einzigartige Linearität, die fast keine Wiederholungen zulässt, bringt diese Notencollagen dann zur höchsten Entfaltung. Lediglich die Refrains eines jeden Stücks kommen mehr als einmal zur Geltung – kein wirkliches Ärgernis, wenn man die Texte und ihre Schemen beachtet.



“Waste, nobodies, fools
I will rise to enslave you all
By the power of the ancients I will rise
In rage I engulf the souls of the weak”



Chaos wird hier nicht als fatalistische Spiegelung eines momentanen, oder gar ewigen Zustands dargestellt, sondern, den üblichen Einheitsbrei aus sumerischer Mythologie und der Literatur Lovecrafts transzendierend, als Mittel, um eine höhere Ordnung zu schaffen – eine ausgesprochen direkte nihilistische Botschaft. Die rigorose Anwendung von Struktur bestätigt diese auf einzigartige Weise. Enttäuschend ist lediglich die Kürze dieser Veröffentlichung.



Liedfolge:



1. Overlord (3:45)

2. Bleeding Shrines Of Stone (2:58)

3. Maleficent Dreamvoid (4:35)

4. Liers In Wait (4:06)

5. Gateways (1:34)



Totale Spielzeit: 16:58


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