Defeted Sanity: Prelude to the Tragedy
Defeated Sanity – Prelude to the Tragedy (Grindethic Records, 2004)
Von 1191.4814.5102, 29. Sep. 2006
Der Versuch, die Weiterentwicklung eines Genres zu erzwingen, indem man seine Extreme erkundet, wird immer kläglich scheitern, wenn man seine Ursprünge nicht kennt. Beim Neuinterpretieren alter Ideen versperrt eine künstlerische Hürde den meisten Bands jedoch den Weg – die Endlosschleife der puren Ästhetik. Aus diesem Grund stechen Defeated Sanity aus dem Sumpf der meist zwar instrumentell beeindruckenden, aber musikalisch wertlosen Brutal Death Metal Bands heraus. Dass das gute Jahrzehnt von ihrer Gründung bis zur ersten vollwertigen Veröffentlichung genutzt wurde, erkennt man nämlich nicht nur an der professionellen instrumentellen Darbietung, sondern vor allem am Reifegrad der Kompositionen.
Der rote Faden, der diese acht, manchmal sehr unterschiedliche Stücke verbindet, ist das klassische strukturelle Prinzip der narrativen Variationsverknüpfung. Schon von Slayer wurde es genutzt, um simple Motive zu ordnen und Lieder kohärent zu gestalten, wurde daraufhin von Suffocation linearisiert und verfeinert, indem sie ihre Riffs zerteilt, somit angekündigt und effektiv verflochten haben, und wurde nun für diesen Tod und Verderben prophezeienden Opus pervertiert. Was dieses Werk von den anderen unterscheidet, ist, dass nicht verwandte, sondern gegensätzliche Motive verknüpft werden. Ein zusammenhängender Strom des Zusammenhangslosen vermittelt die Botschaft eines in dieser Hinsicht längst gestorbenen Genres mit neuer Stärke.
Dass die Stücke nicht zu abgrenzenden Riffgegenüberstellungen á la Deeds Of Flesh ausarten, ist der Tatsache zu verdanken, dass der Schlagzeuger der vorwiegende Komponist ist - jede Sequenz wird dynamisch untermalt, bei Wiederholung der unausweichliche Zerfall eingeleitet (dessen Tendenz man hier nicht nur in der Rhythmik und in der Struktur, sondern auch in der Motiv- und Konzeptgestaltung erkennen kann) und bevor dieser eintritt, eine Überleitung zur nächsten hergestellt. Diese strukturelle Rhythmik ist, gepaart mit der Chromatik der Motive, die Ursache der schwindelerregenden, fast hypnotischen Natur dieser Veröffentlichung, der man sich nicht leicht entziehen kann.
Dass die Soli unnötig sind und der Gesang die leider noch nicht ganz aufgehobene Strophenform zu sehr verdeutlicht, beeinträchtigt das positive Fazit nur minimal, denn mit dem Titelstück, das die Grundprinzipien dieser Musik völlig außer Acht lässt und eine vollständige Linearität anstrebt, wird ein hoffnungsvoller Ausblick in die Zukunft gewährt, in der wahre Innovation die Bedeutung und den Sinngehalt dieser Kunst nicht verleugnen, sondern ihn ans Tageslicht bringen wird.
Liedfolge:
1. Liquifying Cerebral Hemispheres (4:11)
2. Drifting Further (4:35)
3. The Parasite (2:55)
4. Horrid Decomposition (4:40)
5. Tortured Existence (4:12)
6. Apocalypse Of Filth - Collapsing Human Failures (4:17)
7. Remnants Of The Deed (4:41)
8. Prelude To The Tragedy (2:01)
Totale Spielzeit: 31:36

