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15. September 2008

Adipositas als Volkslaster

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Der Trend zum Dickerwerden ist hierzulande ungebrochen. Professor Michael-Jürgen Polonius, Präsident des Berufsverbandes der Deutschen Chirurgen, überrascht mit der Zahl, dass im statistischen Durchschnitt jeder Deutsche pro Jahr 500 Gramm schwerer werde. [...] Fakt ist, dass hierzulande 17 Prozent der Männer und mehr als 19 Prozent der Frauen als fettleibig bezeichnet werden müssen, weil sie einen Bodymaßindex (BMI) von über 30 haben.

Wobei jedem, der sich etwas mit der Körperbemessung befasst hat, klar sein sollte, das der BMI nicht die nützliche Masse, sprich; Muskeln, einbezieht. Man wird aber auch ohne BMI & Co. früh genug selbst feststellen können, ob man etwas zu viel Hüftspeck mit sich rumträgt und ab wann die Hose langsam eng wird.

In Kieler Wohnbezirken hatte Müller analysiert, wie das Gewicht der Bürger mit der pro Kopf angebotenen Kalorienmenge in den Supermärkten korreliert. Ergebnis: In den besseren Wohnmilieus werden deutlich weniger Kalorien angeboten als in Arbeiterbezirken. Dort ist überdies die Dichte von Fast-Food-Restaurants sehr viel größer. Einigkeit herrscht ohnehin unter den Experten, dass es beim Übergewicht und den sich daraus ableitenden Erkrankungen ein deutliches soziales Gefälle gibt. Dies lässt sich eindrucksvoll an der Zahl der Diabetes-mellitus-Fälle ablesen, die Carsten Wippermann von der Heidelberger Sinus Sociovision GmbH präsentiert. In der Oberschicht sind hierzulande nur 4,2 Prozent von Diabetes betroffen, in der Mittelschicht leiden schon 6,8 Prozent an dieser Erkrankung und in der Unterschicht gar 11,5 Prozent.


Traurig, das man sein Volk so verkümmern lässt und allmählig im Greifen inbegriffene Programme zur Prävention scheintern an weiteren Missständen, so dass sich ein Teufelskreis entwickelt. Arbeitslose und sozial Schwache haben eben andere Sorgen, als sich noch um eine gesunde Ernährung zu kümmern. Obendrein kosten qualitativere Produkte bekanntlich mehr, manchmal sogar das Doppelte.

Auf die Frage, mit welchen pädagogischen oder administrativen Maßnahmen sich also insgesamt die Volksgesundheit verbessern lassen könnte, gibt es offenbar keine schlüssige Antwort. Professor Müller gibt dies unumwunden zu: „Wir haben einfach keine Antwort auf die Fragen, die uns Experten von der Politik gestellt werden.“ Jedwede Strategie wird dadurch erschwert, dass es in Deutschland insgesamt zehn verschiedene soziale Milieus – von den Postmateriellen über die Konservativen und Konsummaterialisten bis hin zu den Hedonisten gibt. Sie alle, so erklärt Wippermann, haben jeweils eine ganz eigene Lebenswelt und unterliegen einer spezifischen Psycho-Logik.

Bei dauernden Sozialumbauten und neuen, immer vielversprechenderen Plänen sieht man nun das Ergebnis: das Volk ist im Kern total zersplittert. Fragt sich wie die zukünftige Politik ihre eigene Schöpfung, dieses soziale Ungeheuer, bändigen will. Letztendlich muss jeder an sich selbst appellieren. Denn ohne Disziplin, Selbstvertrauen und etwas Verstand nützt weder Hilfe von "oben", ach so vielversprechende Diättipps aus diversen Hausfrauenmagazinen, noch die reine Erkenntis vom Dicksein.


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Roman


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"Das Vieh stirbt und Freunde sterben, endlich stirbt man selbst:
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