Odalismus
|Odalismus
Von Arntor, 26. Apr. 2007
Einleitung
Die altgermanische Rune "Odal", die in aus Nord- bzw. Mitteleuropa stammenden und teilweise fast zwei Jahrtausende alten
Runenalphabeten vorkommt, bedeutet soviel wie Landbesitz, Erbe der Ahnen und familiärer Zusammenhalt. Warum diese auf ethischer Ebene in Vergessenheit geratenden Werte heutzutage immernoch eine Existenzberechtigung haben und wie sich ihre oft widerrufene, jedoch trotzdem offensichtliche Essentialität für Philosophie und Politik in unserem Zeitalter auswirkt,
soll im Folgenden erörtert werden.
1. Die ideologischen Grundlagen des Odalismus
Obschon alle Menschen einem gemeinsamen genetischen Ursprung entstammen, so bewohnen die Völker die verschiedensten Teile unserer Erde: Vom ewigen Winter des Nordpolarmeeres bis hin zur tropischen Wärme der um den Äquator gelegenen Urwälder reicht die Palette der menschlichen
Lebensräume.
Biologisch bzw. anthropologisch gesehen erscheint es logisch, dass der Mensch nicht als eine fremde, die Natur nutzende Macht anzusehen ist, wie es heutzutage oft üblich ist, sondern dass er einen der vielen Teilbereiche der Natur darstellt. Die darwinistische Evolutionstheorie,
nach der der Mensch eine sich an immer härtere Bedingungen angepasste, hochentwickelte Lebensform, also ein "Produkt" des natürlichen Prozesses des Werdens ist, unterstreicht diese Ansicht ebenfalls.
Mag diese Sichtweise auf den ersten Blick auch materialistisch erscheinen, so verbirgt sich hinter ihr wesentlich mehr Sinn, wenn man sich von den weit verbreiteten Weltbildern der Moderne löst: Den monotheistischen Doktrinen zufolge ist es das Ziel des Menschen, als sogenannte "Krone der Schöpfung" - logischerweise negiert dieses Weltbild einen immer fortwährenden Prozess der Natur - zu fungieren und sich die übrige Natur untertan zu machen.
Betrachtet sich der Mensch allerdings als Teil der Natur, so erkennt er nicht nur die Notwendigkeit tiefgreifender Maßnahmen des Umweltschutzes an, sondern sieht auch ein, dass das Leben im Einklang mit seiner Umwelt seine Bestimmung, sein facettenreicher Weg und sein unüberschaubar vielfältiges Ziel ist.
Während sich die an eine außeruniversale, über der erschaffenden Kraft der Natur stehende, alles bestimmende Macht glaubenden Individuen in der realen Welt lediglich als Reisende auf dem Weg zu einer jenseitigen, nicht irdischen Existenz sehen, stellt das diesseitige Leben mit all seinen Bereichen der materiellen sowie ideellen Realität den Weg und das Ziel für jenen Menschen dar, der sich selbst als Bestandteil seiner Natur auffasst.
Erst durch eine derartige Weltanschauung sind sowohl Gesellschaft als auch der Einzelne in der Lage, gemäß idealistischen, heroischen, jedoch trotzdem aus der physischen Realität hervorgehenden und sich auf sie beziehenden Werten zu handeln.
Ein soziales System wird in diesem Fall weder als Ansammlung isolierter Individuen, noch als vollkommen homogene Masse unterschiedsloser Menschen betrachtet, sondern vielmehr als organisch funktionierende, holistische Einheit, in der jeder einzelne Bestandteil zum Gesamten beiträgt, zur Treue zu Familie, Stamm und Volk verpflichtet ist und ebenso - nicht im materiellen, sondern im idealistischen Sinne - von dieser Treue profitiert.
Kohärent betrachtet führt dieses Weltbild dazu, dass sich nicht nur der Einzelne als Bestandteil des ökologischen Systems sieht, sondern auch die gesamte jeweilige Gesellschaft als eine in diesem System wurzelnde Struktur aufgefasst wird.
2. Der Synergismus aus Natur - Land - Volk - Kultur
Eine solche Weltanschauung ist nicht nur ein utopisches Idealbild: Prinzipiell jede ursprüngliche Kultur sah die Verehrung der Natur mitsamt der menschlichen Gattung als Ausgangspunkt für jegliches Weltbild an. Europäische Völker sahen beispielsweise im lebensspenden Sommer, im zerstörerischen, reinigenden Winter, in Donner und Sturm und
in ihrer eigenen Weisheit und Tapferkeit göttliche Kräfte. In Zentralafrika waren es die wundersamen, mächtigen Kräfte des Dschungels, die durch
symbolisierende Geister verehrt wurden bzw. werden. Den Traditionen der amerikanischen Ureinwohner lag der Glaube an aus dem Diesseits entspringende, astrale Geisterwelten zu Grunde. Auch die vielseitigen Schöpfungsgeschichten sind in Verbindung zur das jeweilige Volk umgebenden Natur zu sehen.
Das Studium alter Kulturen lässt einen daher unschwer erkennen: Die Natur beeinflusste Weltbild, Religion, Mentalität und damit einhergehend auch Brauchtum und Lebensweise der verschiedenen Völker. Sieht man diese Facetten in einem komplexen, aber dennoch fest zusammenhängenden Synergismus, so kommt man zu dem Schluss, dass Menschen sowie ihre Gesellschaften genauso vielfältig und verschiedenartig sind wie die Naturräume, in denen ihre Kulturen entstanden sind und sich entwickelt haben.
Oft gefordert von der heutigen Gesellschaft wird bekanntlicherweise, dass alle Menschen als vollkommen "gleich" angesehen werden sollen. Behandelt man die einzelnen Völker jedoch tatsächlich gerecht, wenn man ihre Unterschiede zueinander negiert? Kann es mit anthropologischen Erkenntnissen und historischen Forschungen übereinstimmen, dass es in Wirklichkeit nur eine Art von "gleichen" Einheitsmenschen geben soll? Diskriminiert man den Angehörigen einer fremden Kultur nicht, indem man seine herkunftsspezifischen
Eigenarten und Unterschiede zu anderen Menschen als nicht existent betrachtet?
Würde man der Vielfältigkeit der menschlichen Art positiv gegenüberstehen, während man die von Natur aus gegebene Gleichwertigkeit - wohlgemerkt, nicht "Gleichheit" - jedes eigenständigen Kulturkreises anerkennt, so wäre auch eine Koexistenz der Kulturen, in der jede einzelne in der Lage ist, ihre ursprüngliche Identität zu wahren, möglich.
Ein Nebeneinanderexistieren der Völker, die dabei ihre komplette Unabhängigkeit beibehalten würden, wie es vor Christianisierung, Imperialismus, Kolonialisierung, Globalismus und weiteren Entwicklungen der jüngeren Menschheitsgeschichte war, wird im weltpolitischen Bereich heute paradoxerweise nicht mehr als menschengerecht angesehen. Wie oben dargestellt, werden menschliche Verschiedenheiten negiert und Gemeinsamkeiten als absolute kulturelle und sozial-politische Richtwerte angesehen. Das Vermischen vieler Kulturen, wie es z.B. in Mitteleuropa durch kaum eingeschränkte Einwanderung und den Zeitgeist der Globalisierung der Fall ist, führt zum Entstehen einer Multi- und, daraus resultierend, schließlich einer Monokultur, was durch
den Einfluss der Vereinigten Staaten auf weite Teile der Erde bereits zu beobachten ist.
Nun wäre eine Multikultur vielleicht theoretisch akzeptabel; allerdings beweisen aktuelle gesellschaftliche Beispiele, wie absurd die Folgen eines solchen Systems sind: Durch sich nicht einbürgernde, aber vom System profitierende Einwanderer entstehen Parallelgesellschaften, die die ursprünglichen Bewohner des jeweligen Landes, deren Lebensweise und deren Kultur nicht mehr respektieren, ihre Pflichten als Gäste missachten, Hass verbreiten, Hass auf sich ziehen und die Gesellschaft so zermürben. Mag eine Multikultur in der Theorie harmonisch und wünschenswert klingen,
so bleibt sie in der Realität eine unerreichbare Utopie, deren Erstreben, wie oben dargestellt, zur Zerstörung von Gesellschaften und zum Verlust von kulturellen Einzigartigkeiten führt.
3. Die konkrete Bedeutung des Odalismus für Gesellschaft und Weltpolitik
An dieser Stelle tritt die symbolisierende Bedeutung der Odal-Rune zum Vorschein: Landbesitz und das Erbe der Ahnen hängen unmittelbar zusammen. So wie jedes Volk aus seinem eigenen Land entstammt
und ihm Lebensweise und Kultur verdankt, so hat es auch ein fortbestehendes Recht, sich in diesem Land als vorherrschende Bevölkerungsgruppe zu sehen. Zwar galt schon immer - besonders bei den Vorfahren der heutigen Deutschen - das heilige Gesetz der Gastfreundschaft, allerdings mussten die Gäste diese Freundschaft erwidern und sich den Lebensweisen ihrer Gastgeber anpassen.
Um dieses naturgegebene und ideologisch begründbare Recht auf das Erbe des Landbesitzes - wobei sich dieses Erbe hier nicht auf die private, sondern auf die ethnische bzw. kulturelle Ebene bezieht - wieder ins Leben
zu rufen, sind in unserem Land sowie im kompletten globalen System soziale Umbrüche und, damit verbunden, neue, jedoch auf uralte Grundsätze beruhende politische Ausrichtungen von Nöten.
Die Bewahrung individueller, eigenständiger Kulturen in all ihrer Vielfalt muss als eines von vielen Zielen der Menschheit als Gesamtes angesehen werden. Eine lokale Eingrenzung politischer Entscheidungsapparate sowie kultureller und weltanschaulicher Gemeinschaften in Form von wirtschaftlich autonomen, nationalen, nativistischen Entitäten ist eine für das Erreichen dieses Ziels essentielle Maßnahme.
Eine weitere, im Sinne des Odalismus zwingend notwendige und primäre Wichtigkeit besitzende Aufgabe der einzelnen Völker ist die Protektion jeglicher ökologischer Systeme. Auf diese Weise wird der Odalismus zur direkten Gegenbewegung zum die Natur ausbeutenden und zerstörenden kapitalistisch-industrialistischen Weltbild der Moderne, in dem das vehemente Erstreben von Wirtschaftswachstum und Konsum inzwischen zu Selbstverständlichkeiten geworden sind und der Umweltschutz nur als Nebensächlichkeit betrachtet wird.
Schließlich stellt sich der Odalismus mit seiner Auffassung der Gesellschaft als holistische, idealistische, in sich kohärente, jedoch nicht homogenisierende Einheit gegen den von Materialismus und isolativem, ignorantem Individualismus geprägten Zeitgeist der modernen westlichen Welt.

