15. Juni 2008
Brot und Spiele
Brot und Spiele
Das ganze Land befindet sich anlässlich der Europameisterschaft in Extase. Neben der altbekannten Begeisterung für Fußball hat sich jedoch ein erstaunliches Phänomen gezeigt: Das Hissen der Deutschlandflagge. Es fing an mit der WM 2006; ein paar Mutige waren die Ersten, die es wagten, "Flagge zu zeigen". Mit schlaftrunkenen Augen haben die Menschen dieses Verhalten wahrgenommen, manche skeptisch, manche desillusioniert. Wie, Deutschland darf sich zu seiner eigenen Identität bekennen? Angesichts der alltäglichen Indoktrinierung mit Komplexen um die Vergangenheit Deutschlands, die Komprimierung selbiger auf zwölf verhängnisvolle Jahre, der leftistische Schuld- und Selbstmitleidskomplex, der die Welt befallen hat, war es in der Tat ein brisantes Novum, sich zu seinem Land zu bekennen. Es schien, als würden von Angst geknüpfte Knoten aufgegangen sein - wegen Sport. Der Trend, Flagge zu zeigen verbreitete sich.
In der Tat erlebten wir annähernd so etwas, wie das halbwegs unbefange Umgehen mit der eigenen Identität. War also eine neue Ära angebrochen? Mitnichten. Dieser "Fußballpatriotismus" beschränkte sich eben nur auf das Aufhängen der Flagge im Kontext eines Volkssports. Nach der WM wurde das Gros der Flaggen wieder ohne viel Aufsehen abgehängt; so mutig, sie dennoch gehisst zu haben, waren wenige. Warum auch?
Wen interessiert es schon, dass unser Land sozial, politisch und kulturell den Bach heruntergeht, solange man Spaß hat? Nach römischen Vorbild sind "Brot und Spiele" ein gängiges Mittel der Herrscher, dem Pöbel zu schmeicheln und zu besänftigen - dabei war jene römische Gesellschaft nicht mal demokratisch im heutigen Sinne, nur fürchtete man die Aggression des Pöbels. Heutzutage erfüllt es genau den gleichen Zweck - doch in einer Demokratie ist die Masse, der Pöbel, der Durchschnittsmensch das Maß aller Dinge, was natürlich hervorragend mit dem Prinzip des "Brot und Spiele" koreliert.
Das "Volk", welches an und für sich keine tiefere Verbundenheit mehr zu Herkunft und Kultur hat, suhlt sich trunken in der scheinbar wieder gefundenen Identität (oder dem Anschein, eine gefunden zu haben), während Wirtschaftsoligarchen und 68er-Leftisten die massen- und konsumorientierte Zukunft der Welt besiegeln. Es wird bald keine "Identität" mehr geben, mit der man sich identifizeren kann - wir werden "eine Welt" haben, "eine Regierung", eine "Leitkultur" haben. Das Menschen sich dennoch nach einer Identität sehnen, beweist halb eindrucksvoll, halb mitleidserweckend eben der hiesige Ersatzpatriotismus, welcher dem Prinzip des Globalismus entgegensteht.
Was also soll man hier und heute tun? Es nicht überwerten - in jeglichem Sinne. Es ist nur ein Spiel, ein Massenphänomen, das man meiden sollte, aber bereits die alten Griechen wussten um die verbindende Natur des Sports, die man in diesem Kontext ebenfalls anerkennen muss. Das Hissen der Flagge war eventuell der Anstoß, Identität zu reflektieren - aber er ist nicht Ausdruck der eigenen Identität, die organisch aus einer gesunden Gesellschaft resultiert.
Wigr
Noch kein Kommentar

