01. Juni 2008
Soylent Green 0.5?
Soylent Green 0.5?
Wir leben in Zeiten der riesigen Reihen an Supermarktregalen, unendliche Angebote an Nahrung, bunt-glitzernde Verpackungen und endlosen Zusätzen an obskuren Zusatzstoffen. Die Zahl der Erkrankungen, die mit Essengsgewohnheiten in Verbindung stehen nehmen zu und sind in unserer Gesellschaft augenscheinlich - es ist unwahrscheinlich, dass sich von alleine etwas ändern wird. Die Lebensmittelindustrie verdient ja schließlich an uns; hat sie doch wirtschaftlich kein Interesse daran, dass wir "weniger" und "gesünder" essen. Demzufolge bleiben wir relativ uninformiert.Es ist nicht nur der Punkt mit der Fettleibigkeit. Sicher, das Essensangebot tendiert prinzipiell zum Überschuss an Kalorieren. Doch jeder eigenverantwortliche, mündige Mensch wird sich von diesen Umständen nicht leiten lassen, sondern die Qualität und Anzahl seiner Lebensmittel selbstverantwortlich auszuwählen wissen.
Lebensmittel sind nicht nur das, was wir sehen und sinnlich erfahren, auch wenn die meisten Menschen ihre Wahl an optischen und geschmacklichen Reizen festmachen. Ein Lebensmittel zu erwerben bedeutet, das Lebensmittel in seiner absoluten Gesamtheit zu befürworten - Rohstoffe, die dafür verwendet wurden, der Herstellungsprozess, die Arbeitsbedingungen, die ökologische Veträglichkeit, die Verpackung und natürlich den Gewinn des Erzeugers bzw. seiner Lieferanten. Auch wenn es praktisch betrachtet oft schwierig ist, all diese Details nachzuvollziehen, sollte das pragmatische Verhalten des Verbrauchers klar zu dieser Einstellung tendieren. Nur ist es jedoch so, dass es das gerade nicht tut. Die meisten Menschen sehen nur eben das, was für sie ohne viel gedanklichen Aufwand sinnlich begreifbar ist. Bunte, reizende Farben und ein bombastischer Geschmack - wer interessiert sich da schon für die Chemikalien, die da drin sind oder die untragbaren Bedingungen, unter denen das Produkt hergestellt wurde. Hauptsache es schmeckt. Dieses oberflächliche Verhalten ist verwurzelt in unserer Gesellschaft - Kurzfristiger Spaß schlägt Vernunft und Voraussicht. Hierbei handelt sich um ein dysfunktionales Verhalten zur Realität; man baut sich eine neurotische Fantasiewelt, in der kurzfristiges Vergnügen das Maß aller Dinge ist. Kant würde sich im Grabe umdrehen - wann beginnt endlich die Aufklärung?
Es sind in erster Linie wirtschaftliche Interessen, die von diesem Verhalten profitieren. Globale Nahrungsmittelkonzerne sind an die Abhängigkeit ihrer Kunden gebunden. In diesem Zussamenhang sei Functional Food. Kurze Erklärung: Gibt es Hinweise, das bestimmte Stoffe gesund für den Menschen sein können, werden sie konzentriert der Nahrung zugesetzt. Das gilt dann als "gesund" - die Grenze zwischen Medizin und Nahrung verschwimmen. Ob es jetzt Überschüsse an Vitamine, Pro- und Prebiotika oder sekundäre Pflanzenstoffe ist, alles wird verwendet solange der Kunde in Hoffnung auf sein Heil kauft. Dabei ist die Informationslage zu derlei Zusätzen absolut rar gesäht; es ist bis heute nicht ergründet worden, wie derlei Zusatzstoffe wirken können. Es gibt hierbei auch keine Richtlinien, gelten jene Lebensmittel nach wie vor eben als Lebensmittel und nicht Arznei. Das Vetrauen, dass die Konzerne damit vom Kunden fordern ist enorm und unbegründet. Vielleicht sind wir auch nur Versuchskaninchen - jedoch nicht mehr als Geldgeber. Populismus. In diesem Zusammenhang seien auch Frühstocksflocken und Zeralien erwähnt, die seit den Siebzigern mit extraorbitanten Mengen an Vitaminen angereichert weredn - für das gute Gefühl eben. In Norwegen bspw. ist Kellog's aus diesem Grund verboten - man weiß eben nicht, was diese unnatürlichen Mengen an "gesunden" Zusatzstoffen bewirken, vorallem wenn sie sich über den Tag kumulieren, was angesichts der hohen Dosierungen durchaus realistisch ist.
Und das war nur die Spitze des Eisbergs. Wollen wir tiefer in die Thematik eintauchen, stoßen wir auf die Problematik mit synthethischen Aromastoffen, Konservierungsstoffen, Süßstoffen, Geschmacksverstärkern, genetisch veränderte Nahrungsmittel und so weiter. Für den Endverbraucher handelt es sich hierbei um ein endloses Schlachtfeld an gesetzlichen Bestimmungen und chemischen Studien. Darauf einzugehen würde jeglichen Rahmen sprengen. Für Interessierte haben wir eine kleine Literatursammlung zusammengestellt, mit der man sich sein eigenes Bild machen kann.
Wir leben in unsicheren Zeiten, in denen die Existenz als allegorischer Spielball in den Händen von weltumspannenden Gewinnmaximierungskonzernen nur Frustration und Verfall herruft. Menschen müssen sich dem klarwerden, dass sie nur als Geldspender gesehen werden, den es mit Massenmedien zu indoktrinieren gilt. Um nicht in diese Falle zu tappen, sollte man sich von der oberflächlichen Spaß- und Reizgesellschaft distanzieren und die Dinge wahrheitsgemäß zu betrachten versuchen. Jedem sei nahegelegt, den Erwerb seiner Lebensmittel von essentiellen Frage abhängig zu machen: Akzeptiere ich das Produkt in seiner Gesamtheit? Sind da nicht vielleicht Stoffe drin, auf die ich verzichten könnte? Sind die Herstellungsbedingungen angemessen? Tut es mir wirklich gut - physisch wie auch spirituell?
Literaturliste
Functional Food
"Die Joghurt Lüge", Marita Vollborn u. Vlad D. Georgescu, Campus 2006
Auflistung von Konservierungsstoffen
Datenbank von Aromastoffen
Geschmacksverstärker Liste
Bewertung von Süßstoffen (PDF)
Risikobewertung von Vitaminen und Mineralstoffen
Überdosierung von Vitaminen in Zeralien
Gentechnik in Pflanzen
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