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© 2008 G.N.U.S.

08. Mai 2008

Zur Leere des Nichts werden

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Sie starrten sich sich wie zwei boshafte Freunde an, ängstlich und andeutend, dass, auch wenn jeder gegen jede vom Anderen vorgebrachte Idee protestieren würde, sie eine ultimative Einheit gefunden haben. Eine gegenseitige Beziehung, so, als ob sie die Ein und das Gleiche wären. Das helle, durch das Fenster fallende Sonnenlicht erleuchtete die Bibliothek und machte den in der Luft schwebenden Staub sichtbar. Es war sowohl ein historischer Ort als auch ein Ort in der Geschichte, ein Zusammenfließen von Vergangenheit, Gegenwart und unabsehbarer Zukunft. Aber der Mensch ist eine suchende Kreatur, und was immer ihm als gedankliche Möglichkeit erscheinen mag, wird zum Objekt seines Interesses. Es waren Themen solcher Art, himmlische Götter, Leere, Existenz und Moderne, welches die beiden jungen Studenten intensiv diskutierten

"Deine Götter sind tot. Weg. Nicht mehr. In Ignoranz hast du sie getötet, und jetzt beschränkt sich ihre Existenz auf historische Anekdoten und leblose Mythen, die niemand mehr versteht. Und du, elender moderner Mensch, versuchst diesen Ruinen deiner verwesenden Kultur neues Leben einzuhauchen. Verwirrt, unorganisiert, klammerst du dich verzweifelt an deine heiligen Idole. "Aber sie müssen existieren" schreist du- aber, ach, vergeblich. Deine Schreie verhallen in der Stille und Leere deines sterbenden Imperiums. Du glaubtest, du könntest die Vergangenheit zur Gegenwart machen. Du konntest es nicht. Diese Zeit ist die Zeit, in welcher der Mensch sich seiner selbst bewusst werden und erkennen muss, dass er in einer gottlosen Welt ohne Bedeutung und Hoffnung existiert. Die Frage ist nun: Wagst du es, weiterzuleben- leidenschaftlich?"

"Sag das nicht. Sie sind nicht tot. Nichts ist tot. Ich weiß dass unsere Götter immer noch existieren und über uns wachen. Du sagst, sie sind tot. Ich sage, dein Glaube ist tot. Unsere Götter sind unsterblich und die Weisheit, die sie verteidigen, ist ewig. Was unsere Kultur getötet hat war eine sich widersprechende Ordnung, die uns verwirrt und vom rechten Weg abgebracht hat. Ich bin der Meinung, dass es einen Weg zurück gibt, solange man willens ist, ihn zu suchen."

"Du sagt dass du nach etwas suchen willst, aber wenn ich dich ansehe, dann sehe ich einen Menschen mit toten Augen und einer ängstlichen Seele. Du hast Angst. Du hast Angst, dass es so ist- dass es vielleicht dieses mal anders ist. Vielleicht können wir nicht zurück. Vielleicht müssen wir neu anfangen und neue Götter verehren, neue Idole, und eine neue Zukunft heraufbeschwören, die wir für uns selbst schaffen. Du sagst, dass deine Götter unsterblich sind und lediglich schlafen. Ich glaube, wir haben sie getötet, und der Tod unserer Götter hat uns mit einem Vakuum zurückgelassen; einer Leere, vor der wir Angst haben; Angst, sie anzusehen. Ich denke, wir machen einen Fehler, wenn wir es nicht wagen, in den Abgrund zu schauen und unser eigenes Spiegelbild zu sehen, ganz gleich, ob irgendwelche Götter jemals existiert haben oder nicht. Wir können nicht überleben, indem wir verneinen."

"Wenn ich nach draußen schaue, dann sehe ich, wie sich ein graues, lebloses, bedrückendes Panorama vor mir auftut. Ich sehe das Reich aus Beton, das wir geschaffen haben, und es bedeutet mir nichts. Nichts hat irgendeine Bedeutung. Es ist unerträglich, in einer Welt zu leben, einer Welt ohne Leidenschaft, ohne Verlangen, ohne Mythos, ohne Magie, ohne Hass, ohne Krieg, ohne Konflikt, ohne Kunst und ohne Tradition- ohne Leben. Wenn du mich drängst, in den Abgrund zu schauen, wende ich mich ab. Willst du wissen wieso? Weil ich ihn schon zu oft gesehen habe und ich es satt habe, nichts zu haben, zu dem ich mich von diesem Abgrund zurückwenden kann. Deshalb weigere ich mich, unsere Götter zu vergessen. Sie bilden die andere Seite des Abgrunds; sie sind die Antithese unserer modernen Welt. Sie sind das Leben in einer Welt des Todes."

"Ich verstehe dich. Aber ich spüre dass dir etwas entgeht. Jedesmal, wenn du das Nichts gesehen hast, bist du davor zurückgeschreckt und hast es mit den Augen von jemandem gesehen, der Angst hat, der verbittert ist. Das ist der Geist der Moderne; verbittert zu sein, zurückzuschrecken, zu fliehen, sich falsche Idole zu schaffen, sich einen Himmel voller Illusionen zu bauen, das Selbst zu besiegen und dann aufzugeben- es ist ein spiritueller Weg zu einem Ziel ohne eine Lösung. Wenn wir die moderne Welt überleben wollen, müssen wir nicht nur dem Nichts begegnen können- wir müssen lernen, es als Teil unserer Existenz anzuerkennen. Das Nichts ist nicht unser Feind. Es ist die finale Wahrheit, das letzte Wort, das endgültige Leben, wenn man so will. Denk darüber nach. Wie könnte irgendetwas existieren, ohne eine Antithese? Wir könnte es Sein geben, wenn es kein Nichtsein gäbe? Das Nichts ist nicht zu uns gekommen als eine Art von ungern gesehenem Gast. Es ist immer schon da gewesen, und nun haben wir zum ersten Mal die Gelegenheit, es an der Kehle zu packen und ihm ins Gesicht zu sehen, es zu schütteln und zu schreien: "Du bist der Grund für all mein Elend, aber genauso bist du der Grund meines Seins, deswegen schlage und grüße ich dich, deswegen liebe und hasse ich dich, ich erkenne dich als bedrohend und gleichzeitig als süßesten aller Troste an, denn du bist, endgültig, was wir immer waren und immer sein werden- Du bist alles und allumfassend." "

"Soll das Leben eine Verehrung von Nichtexistenz sein? Du sagst, dass du das Nichts zum Leben erklärst, aber im selben Atenzug stellst du es der Existenz gegenüber. Du bist ein Nihilist und ein Anhänger von Fatalismus und Defätismus. Wenn ich Götter sehe, von mir aus nur als verzweifelte Hoffnung meinerseits, dann siehst du nichts und bist davon als Trost besessen. Das Leben ist nicht das Nichts, es ist Aktivität, Wandel, ein Fließen und Schaffen; alles das, was die Zeit vor der Moderne und die Krise unserer Zeit definiert. Ich bereue, dich jemals getroffen zu haben, denn deine selbstzerstörerische Seele strebt danach, die Energie, den Geist und die Hoffnung anderer zu verschlingen. Deine Krankheit ist eine Liebe der Niederlage."

"Indem du dich auf iese Art verrätst, hast du dich schon selbst besiegt. Deswegen sind wir nicht gleich. Ich bin ein Nihilist, nicht weil ich Anti- Existenz verehre, sondern weil ich das erkenne, was sich darunter befindet. Woher kommt die Existenz? Wie ist all das entstanden? Nicht durch Sein, sondern durch Nichtsein. Leere ist überall, und alles. Das Leben ist weniger ein Teil des Nichts; es ist mehr eine Brücke, ein temporärer Übergang, während dem wir uns beider zustände bewusst werden. Ich bin weder besiegt, noch verehre ich das, was besiegt worden ist. Tatsächlich habe ich dich berets besiegt, weil ich das sehe, was tief in dir ist, in mir, in allem das lebt, und ich habe mich entschieden, es zu akzeptieren und anzunehmen."

Er schüttelte ärgerlich seine Hand und schlug mit der Faust auf den Tisch.

"Das Nichts kann nicht als Form des Seins existieren!"

"Das Nichts ist keine From des Seins, es ist. Es ist nicht die Abwesenheit von Sein, es ist dessen Grundlage."

"Und was sehe ich dann, wenn ich die Prinzipien, die Traditionen, die Ordnung und die Manifestation unserer Götter betrachte?"

"Du siehst eine Welt von gestern, eine Welt in der du dich versteckst, weil du vor dem Heute Angst hast; Angst vor dem Hier und Jetzt. Du schreckst vor dem was du siehst zurück, und zwar wegen dem, was du sehen willst. Aber du musst dich selbst mit dem Leben versöhnen und lernen, es zu akzeptieren. Wir können die Vergangenheit ebensowenig ändern wie das, was metaphysisch als ewig etabliert ist."

"Aber ich suche Wahrheit und Weisheit im Ewigen-"

"- Nein, du suchst Wahrheit in dir selbst. Du wünscht, die Mythen und die Götter wären niemals vergangen, aber sie sind es. Wir können nicht zurück. Wir können voranschreiten, wenn wir es wagen, aber um das zu tun, müssen wir zuerst das akzeptieren, was gerade jetzt und hier vor uns liegt. Erkennst du unsere Götter vor uns? Siehst du ihre lebhaften Manifestationen als einen Teil unserer Existenz an? Oder siesht du die Überreste dessen, was sie einst waren?"

"Ich sehe eine Welt in Dunkelheit, in der die Wahrheit das Unentdeckte erleuchtet."

"Dann wende deine Augen ab von dem, was du für Wahrheit hältst, und richte sie auf die Dunkelheit. In ihr liegt die Wahrheit. Du kannst Unkenntnis niemals überwinden, ohne dich ihr zu stellen, sonst wird die Unkenntnis auch dich kontrollieren."

"Ich fange an zu verstehen, worauf du hinauswillst. Du willst, dass ich die Welt so erkenne wie sie ist, bevor ich sie überwinden kann."

"Ich will nicht nur, dass du in diesen Abgrund blickst, ich will auch, dass du bereit bist, den Felsvorsprung, auf dem du stehst, zu verlassen und zu springen- nicht ohne Angst, sondern trotz dieser Angst. Dadurch wirst du gerettet werden."

"Instinktiv hasse ich dich, weil du mein Gegenteil bist. Warum aber stimme ich stillschweigend mit jemandem überein, der mir entgegengesetzt ist?"

"Weil wir nicht entgegengestzt sind und niemals entgegengesetzt waren. Wir sind eher zwei Seiten einer Lebensform. Konflikt und Verweigerung haben uns als Feinde auseinandergehalten, und daher die Einheit unserer überlegenene Koexistenz verhindert, so wie wir die Essenz des Seins verleugnet haben, aus Angst vor dem, was wir als Mittel zur Überwindung finden könnten. Weißt du, warum ich dieses Zeitalter begrüße?"

Seine Augen waren von schlaflosen Nächten angespannt, aber trotz des Gefühls der Überwältigung und der Müdigkeit lehnte er sich neugierig nach vorn und fragte seinen Freund:

"Sag mir, warum?"

"Weil ich mich jetzt endlich wieder ganz fühle."

Von Alex Birch, übersetz von Fenris

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