13. März 2008
Plastik, unsere künstliche Welt. Teil 2
Synthetik und andere unorganische MaterialienPlastik ist kostengünstig und im Besten Fall etwas haltbar, selbst dann, wenn es nicht gerade ein Hightech Material ist. Das macht ihn zum perfekten Rohstoff für ersetzbare, billige Massenware, die von chinesischen Sklavenarbeitern hergestellt werden - der ideale Bausatz für seelenlose und kommerzielle Konsumprodukte.
Plastik ist umweltschädlich, unter anderem deswegen, weil seine Zersetzung ausgesprochen langsam abläuft. In wärmeren, sprich sonnigeren und trockenen Gefilden wird die Zersetzung der Polymerketten wegen der Ultraviolettstrahlung schneller ablaufen als in gemäßigten oder gar kalten Regionen. Das alles geschieht frühestens im Rahmen von mindestens 500 Jahren. Polyvynilchlorid wird zu Salzsäure. Aluminium ist kein Kunststoff, aber ein vergleichbar synthetisches Material, welches ebenfalls extrem lange, länger als es bei Polymeren der Fall ist, überdauern kann. Chromlegierungen werden voraussichtlich Jahrtausende halten. Diese Metalle, Gusseisen und Reifen können theoretisch Äonen in der Umwelt überdauern.[1]
Allein in Deutschland werden 332 Millionen Tonnen an Plastik jedes Jahr produziert, davon 18,5 Millionen Tonnen "Sondermüll", der speziellen Aufwands bedarf. Ein großer Teil gelangt, warum auch immer, in die Weltmeere.[2]
Warum das denn so tragisch sei, werden manche fragen. Bereits heute sehen wir mögliche Auswirkungen; Kleinste Polymermoleküle diffundieren von Strömungen getragen in alle Weltmeere und gelangen so in die Nahrungskette von Pflanze, Tier und Mensch. Ihr langfristiger Effekt steht in den Sternen, jedoch gibt es bereits Berichte, dass Seevögel durch den Einfluss von Plastik regelrecht verenden. [3]
Im Pazifik gibt es "sechsmal mehr Plastik als Plankton im Wasser"[4] Es haben sich regelrechte Inseln gebildet, davon eine von der Größe von Texas. Auch hier verenden viele Tiere, weil das Plastik in ihre Nahrung gelangt. Wo sind die Grünen, wenn es um solche brachial Verschmutzung geht?
Interessant wäre es bspw., inwiefern sich dieser Wust an Müll wiederverwerten lässt. Die kleinsten Plastikpartikel im Ozean können jedoch nicht herausgefiltert werden.
China spielt eine große Rolle in diesem Fiasko. Jeder kennt die unmenschlichen Bedingungen, die in einigen chinesischen Betrieben herrschen (auch jene, die vom Westen beauftragt werden). Wo bleibt der Aufschrei der Gutmenschen? Er wird definitiv nicht kommen, dafür hat man sich zu gut an das kostengünstige Produktangebot von minderwertiger Qualität gewöhnt. Das ist eben "Freiheit" für den modernen Menschen. Die wirtschaftliche Entwicklung Chinas schlägt sich nicht nur brachial auf die jeweilige Umwelt aus, sondern affektiert global das Ökosystem.[5] Angesichts der selbstzerstörerischen Tendenz Chinas kann man nur hoffen, das das ganze ausbeuterische Wirtschaftssystem in seinen eigenen vergifteten Gewässern ertrinkt und sich in Selbstauszehrung leerbrennt, bevor es den Rest der Welt überrollt.
Plastik, das ist die Maxime der Moderne. Wie kein anderes Material versinnbildlicht er die Geisteshaltung dieser Gesellschaft - billig, ersetzbar, seelenlos. Was wir im Großen wollen, können wir im Kleinen beginnen: Der Verzicht auf "Plastik" und etwas weiter gefasst, der Verzicht auf umweltschädliche, seelenlose, unorganische Materialien ist angemessen für jemanden, der etwas positiv verbessern will. Man sollte sich jedoch nicht den Illusionen hingeben: Egal ob Tastatur, CD-Ständer oder Baumaterialien etc., sie sind von dieser Kritik zwar prinzipiell nicht ausgenommen, jedoch kann man sie guten Gewissens für einen besseren, konstruktiven Zweck gebrauchen und damit etwas Höheres schaffen.
Von Wigr
Quellen:
[1] Alan Weisman - Die Welt ohne uns
[2] https://www.berlin.de/special/umwelt/sondermuell/index.php
[3] http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/unsichtbare-muellgefahr-im-meer/?src=AR&cHash=77f762d956
[4] http://www.shortnews.de/start.cfm?id=622811
[5] http://www.cafebabel.com/de/article.asp?T=T&Id=5359
Bild: http://commons.wikimedia.org/wiki/Image:Vuilnis_bij_Essent_Milieu.jpg
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